Im Paradies der Vögel

An einem strahlenden Spätsommervormittag treffen wir im Greenfield Hotel Golf & Spa in Bük – konkret im Nachbarort Bükfürdő ein. Die Reisezeit von Graz beträgt nicht ganz zwei Stunden, von Wien kommend etwas weniger. Wenige Fahrzeuge am Parkplatz am Wochenende überraschen.
Das Hotel und die Golfanlage feiern ihr 30-jähriges Jubiläum, der Platz wird seit 2 Jahren umfassend renoviert. Man wollte das Jubiläumsjahr auch mit einem frisch renovierten Hotel feiern, die Arbeiten dauern jedoch länger als geplant – die Pandemie lässt grüßen.

Teile wie die Lobby und das Restaurant sind fertig, die Arbeiten stören beim Besuch nicht. Der Golfdesk befindet sich an der Rezeption im Hotel, das Clubhaus wird ebenfalls renoviert – was den Drink vor der Runde zur Planungsaufgabe und zum Besuch an der Hotelbar macht. Alles ist wunschgemäß reserviert, wir sind rasch fertig für unsere Runde. Seit Jahren will ich diesen Platz spielen – der Zustand war vielen Meinungen zufolge mangelhaft, die letzten Jahre war ein Besuch wegen der Renovierung nicht möglich oder sinnvoll. Das Warten hat ein Ende – heute bilden wir uns eine eigene Meinung.
Vorbeikommend an einem sehr gepflegten Putting Green erreichen wir den 1. Abschlag, welcher direkt am Hotel liegt. Der erste Blick fällt auf die Abschlagtafel, welche leider fehlt. Wir checken nochmal – ja wir sind richtig. Wir erkennen also nicht welches Loch, wie es tatsächlich aussieht oder wie viele Meter es hat. Oldschool Golf, also Augen auf und das Gelände richtig einschätzen. Die Golfuhr wird auf dieser Runde die Zeit anzeigen, welche im Gegensatz zu den angegebenen Entfernungen auch stimmt. Die neue Beschilderung wartet offensichtlich noch auf die Umsetzung.

Vor uns liegt ein breites, ebenes Fairway – wie auch der gesamte Platz völlig eben gestaltet ist. Ein Dogleg rechts, gesäumt von sanften Hügeln – am Horizont durchschneidet eine mächtige Baumgruppe mit sattem Grün den stahlblauen Himmel. Die Teeboxen – es gibt 5 Abschläge pro Loch sind gut in Schuss, völlig gerade und gepflegt. Das frontale Rough des Fairways macht einen struppigen Eindruck, dieses benötigt noch Zeit um besser einzuwachsen und rasenfremde Pflanzen abzuwehren. Kein Thema für die Qualität des Spiels, diese Zonen kommen nicht ins Spiel.
Der Teeshot passt – wir erobern das erste Fairway. Dieses empfängt uns mit tadelloser Qualität. Das Semirough etwas höher als gewohnt, jedoch gut spielbar. Der Rasen des Roughs, stellenweise mit viel Klee durchsetzt ist leicht zu bewältigen. Kein Hemmnis, wie mancherorts von diversen „griffig-klebrigen“ Gräsern bekannt.
Das zwischen höheren Hügeln positioniert Grün kann mit einem soliden Drive gut angespielt werden. Dieses liegt auf einer Lichtung zwischen mächtigen Baumgruppen und bietet viel Platz. Am Grün angekommen eröffnet sich ein wunderbares Panorama – der Blick schweift über das 18. Grün und einen ausgedehnten Teich auf die gegenüberliegenden Bahnen. Sattgesehen widmen wir uns dem ersten Putt. Das Grün ist in Top-Zustand. Trotz noch sichtbarer Aerifizierung ist es spurtreu, die Geschwindigkeit passt. Alles wie es sein soll.

Wir suchen die Zwei… rechts hinter Bäumen erspäht. Wir schreiten durch die Hügel durch den schattigen Wald. Angenehme, würzige Luft durchströmt die Lungen. Erholung.
Die Platzqualität ist durchgehend ident – also sehr OK, ich gehe ab hier nur mehr auf Besonderheiten ein. Du stehst nun auf der samtigen Teebox 2 im Wald und blickst auf die Aufgabe. Ein Par 3, das Grün auf der Lichtung glänzt im Sonnenlicht. Davor tun sich Abgründe auf, der Schlag will gut platziert sein. Ein wunderbarer Anblick. Mit 134 Metern eine absolute Chance auf Punkte. Auch dieses Grün ist in tadellosem Zustand. Wir begeben uns zum nächsten Abschlag wenige Meter entfernt wartet das schwerste Loch am Platz – ein Par 4 mit 331 Metern. Ohne Idee was uns erwartet platzieren wir den Drive solide am Fairway. Dort angekommen erkennen wir die Herausforderung: Für den Schlag aufs Grün sind 3 frontale Wasserhindernisse zu überwinden. Am vierten Abschlag ist man mangels Sicht ratlos. Den Herren versperrt ein Hügel die Sicht auf das Fairway, welches sich 180 Grad um den Teich legt. Mit einem guten Drive über den Hügel und einem mutigen Schlag über den Teich kann dieses Par 5 echt spannend werden. Vor dem Grün lauern aber aus dieser Richtung Bäume, das Grün selbst ist aus dieser Perspektive sehr schmal. Wir spielen am Fairway um das Wasser herum auf das leicht erhöhte Grün. Wasser ist hier wie zuvor definitiv im Spiel.

Um den Hügel rum auf das nächste Par 4, ein leichtes Dogleg rechts. Abschlag wieder im Schatten – angenehm. Vor mir das ausladende Fairway, nach dem Drive reicht ein kurzes Eises auf das Grün. Davor lauert wieder Wasser – derzeit trocken. Das Grün leicht hängend, von Bunkern geschützt. Rechts durch den Waldstreifen wartet ein spezielles Loch, ein langgezogenes Dogleg links – ein Par 5 mit 465 Metern. Die Besonderheit ist ein fast die gesamte Fairwaybreite nutzender Teich in der Landezone – auch trocken. Hier muss taktisch gut platziert werden. Der Transportschlag zum Grün hat gut Platz. Ab der 100er Marke warten in direkter Linie ein Bunker und zwei frontale, jetzt trockene Wasser nebst höheren Sträuchern. Diese Elemente gefallen mir – man findet dieser öfter am Platz – der Schlag ins Grün ist häufig über ein kurz davor platziertes Hindernis auszuführen. Keine Angst, es gibt auch immer einfachere, alternative Wege. Mut wird aber belohnt.
Das folgende Par 3 über Wasser ist mit 120 Metern eine Pflichtübung – aber Achtung, das Grün hat zwei Ebenen, fordert also. Drei Teiche begleiten die achte Spielbahn, zusätzlich ist der Abschlag über einen Weg und frontales Wasser auszuführen. An der Teebox empfiehlt es sich, sich kurz Zeit für das Panorama zu nehmen. Der Blick schweift, hunderte Vögel bevölkern lautstark die Szenerie. Der Ball schießt auf den Wald zu, die Landezone hat viel Platz. Der Schlag auf das Grün muss gut dosiert über eine Engstelle mit Wasser erfolgen. Wir queren den Platz am Abschlag 11 zur Neunten Teebox. Fast gerade Bahn, Verengung mit Bunkern ums Grün – ein entspannter Abschluss der ersten Neun.
Wir wechseln nach rechts zum Abschlag 10. Dieses Par 4 fordert die Spieler vor dem Grün. Ein zu kurzer Abschlag landet im Bunker oder zwingt einen den direkten Schlag auf das Grün über einen ausgedehnten Bunker mit Baum zu spielen. Das Grün selbst liegt leicht erhöht umrundet von den allseits verwendeten Hügeln. Die 11 erfordert einen Schlag auf das 150 Meter entfernte, erhöhte Grün. Auf dem Weg dorthin gibt es Wasser, dieses kommt aber nicht wirklich ins Spiel.

Den nächsten Abschlag säumen interessante Doppelhaus-Villen. Der Schlag sollte möglichst links ausgeführt werden, dort warten jedoch gefährlich die Bäume. Gelungen ist damit das Dogleg passiert und der gerade Transportschlag wichtig. Dieser sollte auch links am Fairway platziert werden, rechts warten eine vertiefte Waste Area und Bunkerlandschaften. Auch links wartet ein nicht unwesentlicher Bunker. Der Pitch überwindet die schmale Gasse auf das Grün und wahrt die Chancen auf Punkte bei diesem Par 5.
Wir suchen wieder einmal die nächste Bahn, diese entdecken wir direkt hinter dem Grün. Es wartet ein langgezogenes Dogleg. Der Drive passiert eine Baumgruppe links, danach gilt es den Schlag auf das Grün sicher über eine aus der Entfernung nicht erkennbare Vertiefung zu schlagen. Am nördlichsten Teil des Platzes passieren wir das fünfte Grün (Gefahrenstelle – viele laufen leider direkt vor dem Grün über das Fairway des 5. Lochs) und kommen zur 14, diese hat das Rating 2. Hier hilft – no na – ein guter Drive, dieser eröffnet den direkten Blick auf das stärker erhöhte Grün. Keine Sorge, dieses ist langgestreckt – der Schlag sollte jedoch sicher im Ziel landen. Ringsum warten Böschung, Wasser und Wege. Gleich rechts erreichen wir das 15. Loch, ein 100 Meter langes Par 3 mit einem direkten Schlag über den Teich. Auch hier wieder bemerkenswert: Der Gedenkstein mit der Tafel der Hole-in-One Spieler:innen.

Die 16 – ein wunderschönes Loch. Im Schatten atme ich die würzige Luft. Hinter mir füllt sich der Himmel mit hunderten Vögeln, geschäftiges Gekreische. Vor mir breitet sich das Fairway langgezogen auf einer Waldschneise aus. Im Knick des Doglegs ist eine Hügellandschaft zu erkennen, welche sich vor Ort als mächtige Bunkerlandschaft zu erkennen gibt. Das Grün selbst ist von einem querliegenden Bunker, einer tiefer liegenden frontalen Zone und einem seitlichen Bunker verteidigt.
Eine Meisterleistung des Platzarchitekten – man verspürt richtig Freude, dieses Loch zu bezwingen.
Auch die Siebzehn am äußersten Rand des Platzes in direkter Nähe der Apartmenthäuser verspricht eine großartige Aufgabe zu werden. Du stehst am Abschlag und blickst auf das extrem breite Fairway. Dieses teilt sich im Bereich der Landezone durch zwei riesige Bäume, nach welchen die Bahn nach links knickt und entlang des großen Teiches zum Grün führt. Links an den Bäumen vorbei ist ideal, aber für die Herren eine Präzisionsaufgabe. Der Drive rechts vorbei ist meine Wahl, gut platziert stellt dieser optimale Bedingungen für den Transportschlag Richtung Grün her, welches gut zu erreichen ist. Vorbei am Grün 1 gelangen wir zum 18. Abschlag. Die letzte Bahn bringt am Grün nochmals Wasser ins Spiel, sofern man links anspielt. Gegenüber verengt ein Bunker den Eingang zum Grün, welches direkt neben dem Clubhaus liegt. Ein wunderbarer Golftag endet hier.

Fazit:

Der völlig ebene, umfassend renovierte Platz lockt mit Qualität und Erlebnis – für dieses sorgen das Design, 10.000 Pappeln, sieben Seen und 100 Vogelarten. Golfgenuss pur inmitten der Natur.
Die absolute Ruhe durchbrechen nur die Vögel, welche von Zeit zu Zeit lautstark Ihre Position in den Bäumen wechseln – ein Schauspiel der Fauna.
Das Spiel am Platz macht Freude und gestaltet sich interessant. Im offenen Gelände geführte Bahnen wechseln mit Waldpassagen ab, Wasser ist ein zentrales Element und häufig im Spiel. Das Design bietet jedoch immer Chancen, für weniger Geübte ebenso wie für mutige Spielvarianten. Spurtreue, sehr gepflegte Grüns, sauber gemähte Fairways, die Wälder sind sauber. Die Bunker waren beim Besuch etwas kompakt, aber gut spielbar. Noch fehlen allerorts Hinweistafeln, zeitweise Rechen, dies wird aber demnächst behoben. Die Längenmarkierungen und Zonenmarkierungen sind einwandfrei.

Die Werte:

18 Loch Parkland Kurs, völlig eben. Wasser häufig im Spiel, Gestaltung mit Hügeln und Vertiefungen.
Par 72 mit 5.721 Metern von Gelb (69,4 / 124) und 5.041 Metern von Rot (71,3 / 125).
Ein Partnerclub der Golfsociety Austria.

Greenfield Golf
Golf Straße 4
9740 Bükfürdő

reservation@greenfieldhotel.hu
www.greenfieldhotel.hu

Text und Fotos: Christian Freidl, Golfsociety Austria

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