Ein Silberstreif am Horizont

Mittwoch, der 15.04.2020 – dieser Tag wird der österreichischen Golfszene lange in Erinnerung bleiben. Sportminister und Vizekanzler Kogler verkündet in der Pressekonferenz um 11.00 Uhr die Lockerung der Betretungsverbote für Outdoor-Sportstätten. Eine Öffnung der Golfclubs wird mit 01. Mai 2020 in Aussicht gestellt.

Diese Lockerung ist an Bedingungen und Auflagen geknüpft, welche die Regierung nicht im Detail vorgeben will. Das Ministerium erwartet hier die Empfehlungen der Verbände (es geht um verschiedene Freiluft-Sportarten).

Es ist davon auszugehen, dass diese Empfehlungen vom ÖGV im Sinne der Clubs und auch der GolfsportlerInnen an das Ministerium geliefert werden und diese im Wesentlichen bereits vorliegen. Der ÖGV war ständig mit seinen Mitgliedsclubs und der Regierung in Kontakt, um die Öffnung der Golfanlagen ehest möglich durchzusetzen. Am 20.04.2020 will man die neuen Regularien präsentieren und absegnen lassen.

Kogler: Wir wollen nicht jeden Quadratzentimeter regeln.

Bleibt abzuwarten, ob es zu einem Konsens kommt und wie der “Ausnahmebetrieb” geregelt wird. Auch ein Exit bei negativen Auswirkungen der Lockerung wurde angesprochen. Verständlich, dass es diese Überlegung auch geben muss.

Auf jeden Fall gibt es Licht am Horizont für unser geliebtes Hobby. Ein wesentlicher Punkt – dieser geht jeden und jede persönlich an: Der Sportminister fordert strikt und mehrmals Vernunft und Hausverstand der Einzelnen ein…
Golf wird sich anfühlen wie nie zuvor. Ungewohnte Distanz, mehr Regeln, mehr Aufwand. Die Clubs und Golfanlagen werden das Beste geben um alles umzusetzen, was die Öffnung der Betriebe erfordert.
Es liegt an allen, Verantwortung zu übernehmen und einen Teil beizutragen. Dies wird für die Masse kein Problem darstellen. Es reichen jedoch wenige Unbelehrbare um das fragile System zu kippen.

Fragil bezeichne ich das System deshalb, weil es von der Vernunft abhängig ist. Schon in der ersten Stunde nach der hoffnungsvollen Verkündung wurden Stimmen laut, warum man jetzt wieder warten muss. “Die Öffnung muss doch sofort oder binnen wenigen Stunden erfolgen können!” – so der Aufruf. “Was hat der Verband während der Sperre gemacht?” fragen manche. Andere wiederum bringen erneut den Vergleich mit den Supermärkten und die frische Luft sowie die Ausdehnung des Golfplatzes ins Spiel. Nach Turnieren wird gefragt – viele Wünsche, viel Druck für ein zartes Pflänzchen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass doch viele den noch immer andauernden Ernst der Lage völlig verdrängt haben.

Allerorts herrscht Aufbruchstimmung, die Freude ist groß. Verständlich, wollen doch alle wieder dem schönsten Hobby der Welt fröhnen. Noch ist nichts fix, wobei die Öffnung selbst als fix gesehen werden kann. Zu welchen Bedingungen, das ist offen. Einige Clubs verkünden das Ende der Sperre, manche verschicken Veranstaltungseinladungen zum Saisonstart. Angesichts der sicher angespannten Kapazitäten aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen ein riskantes Spiel. Mir persönlich gefallen die sanften Ankündigungen besser – man verlautbart den Öffnungstermin mit Hinweis auf noch offene Regeln und weist darauf hin, dass vorerst noch keine Startzeiten buchbar sind. Aus meiner Sicht eine besonnene und ehrliche Handlungsweise.

Die Clubs atmen auf, die Öffnung der Anlagen ist dringend notwendig. Bleibt nur zu hoffen, dass die Öffnung auch Einnahmen bringt. Dies scheint aber aktuell unklar. Es könnte sein, dass nur Mitglieder zur Anlagennutzung berechtigt sind. Aus der Regierungssicht, unnötige Wege zu unterlassen und dem aufrechten Gebot nur notwendige Fahrten zu unternehmen wäre berechtigter Zweifel vorhanden. Als Auswirkung würden vorerst Greenfee Einnahmen ausfallen. Die Clubs können jedoch die Mitglieder bedienen und die Spielberechtigungen einlösen – absolut wichtig. Andererseits werden die Kapazitäten für Greenfeegäste nicht reichen. Eine angespannte Situation bahnt sich an.

Golfpros kämpfen mit dem Entfall der Geschäftsgrundlage. Nun bieten einige in voller Erwartung bereits Termine ab dem 01. Mai an. Es erscheint fraglich, ob der Golfunterricht erlaubt ist. Natürlich wäre dieser unter Einhaltung der Sicherheitsregeln auf den geöffneten Anlagen durchführbar. In der heutigen Pressekonferenz wurden aber sehr ausführlich Ausnahmen für die Profisportler genannt, auch wie sich diese definieren. Teaching Pros wären nicht in der genannten Gruppe, welche laut Ministerium rund 600 Profisportler umfassen soll.
Bleibt zu hoffen, dass auch an die Teaching Pros gedacht wird und diese Ihre Arbeit ebenfalls wieder aufnehmen können.

Golfrestaurants werden weiterhin geschlossen bleiben. Die Öffnung der Gastronomie und die damit verbundenen Auflagen sind nach wie vor unklar. Für die Gastronomie, die Hotellerie und die Tourismusbranche ist die Situation extrem. Ein Weg zurück muss ehest gefunden werden, die Wunden werden lange nicht heilen.

Was ich am 1. Mai im Fall einer Öffnung der Golfclubs mache, weiß ich. Ich übe mich in Zurückhaltung und gebe anderen Raum – werde also ganz sicher nicht am Platz sein.

Die Clubs warten auf die SpielerInnen, die Plätze sind top in Schuss und bestens gepflegt. Die eine oder andere Neuigkeit wird es auch geben, viele haben die Zeit für Renovierungen genutzt.
Der Weg zurück hat begonnen, freuen wir uns.

Text und Foto: Christian Freidl

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