Sanfte Hügel mit Kontrastprogramm

Vorfreude – eine der schönsten Freuden – begleitet uns auf dem Weg nach Nitra in der Slowakei. Der dort ansässige Golf Club Nitra „Red Oak“ hat erst vor wenigen Tagen seinen Platz für die Öffentlichkeit freigegeben.

Nach einer entspannten Anfahrt – Nitra liegt ca. eine Autostunde von Bratislava entfernt – erreichen wir Red Oak. Die gebastelten Wegweiser und eine desolate und enge Zufahrt lassen ein mulmiges Gefühl aufkommen. Dieses weicht beim letzten Stück der Fahrt, wir befahren neuen Asphalt und erspähen am Hügel das imposante Clubhaus. Eines fällt jedoch sofort auf – die Anlage ist im Detail und im Umfeld noch nicht fertig, hier gibt es noch viel zu tun.
Wir melden uns im Clubsekretariat an, die charmante und sehr freundliche Dame hilft bei unseren Fragen gerne in deutsch weiter. Auf unsere Nachfrage hin starten wir etwas früher als geplant – wir wollen die fast unberührten Fairways und Greens erleben…

Bags und Trolleys gepackt und ab zum Tee 1. Brandneue Teeboxen, sattes Fairway und ein wunderbares Grün am gegenüberliegenden Hügel erwarten uns. Die Runde wird speziell, ein Gefühl von „damals“ kommt auf. Entfernungen müssen geschätzt werden, der Kurs ist für die modernen GPS-Uhren zu neu. Herrliches Grün, eingebettet in Ödland (welches in der nächsten Saison eine Blumenwiese oder Grasfläche sein wird) berührt den strahlend blauen Himmel. Ringsherum Stille.
Fantastisch. Leicht nervös fummle ich meinen Ball auf das Tee – ein wirklich besonderer Moment – noch nie hatte ich das Vergnügen einen derart neuen Platz zu spielen.
Die weiße Kugel zischt Richtung Gegenhang ab, ein Grinsen huscht über mein Gesicht. Bin schon gespannt auf das Grün. Es hält meinen Approach perfekt, das Putten ist allerdings ungewohnt, liegt uns doch ein feiner Teppich aus Rasen zu Füßen, jungfräulich und nicht gewalzt. Am Weg zum nächsten Abschlag beobachten wir einen Greenkeeper welcher die Grüns penibel nach Fehlern untersucht und gefundene sofort behebt – der junge Rasen will gepflegt werden.

Am höchsten Punkt der Front Nine angekommen, lassen wir den Blick über die sanften Hügel schweifen. Dieser wird leider durch eine breite Front von Erdhügeln – man plant in den nächsten Jahren die Errichtung von mehr als 300 Wohn- und Anlageobjekten – gestört. In unmittelbarer Umgebung hat sich Jaguar mit Fertigungshallen und einer Ausdehnung von rund 800 Hektar niedergelassen. Optisch kein Bringer, für die Region allerdings sicher. Den Golfclub wird’s auch freuen. Apropos Region: die drei anliegenden Ortschaften bringen es gerade mal auf 800 EinwohnerInnen, der Golfclub kann jedoch schon auf 200 Mitglieder verweisen.
Zurück zum Platz. Wir erfreuen uns an geschickt platziertem Baumbestand und an die Hügel geschmiegten Fairways. Sanft hinab und wieder rauf zum Clubhaus, alles zu Fuß ohne Anstrengung machbar. Vorbei an der Chip- und Bunkerarea kreuzen wir die Straße zurück zum Clubhaus, direkt vor der Clubterrasse liegt die Driving Range und das Putting Grün.

Die Back Nine starten mit einem herrlichen Panoramablick auf den Gegenhang und einem stark abfallenden, von Jungbäumen gesäumten Dogleg mit geschickt platzierten Fairwaybunkern, von denen ich gleich einen ausprobieren durfte. Sand vom Feinsten – im wahrsten Sinne des Wortes – und knöcheltief, aktuell zu viel des Guten.
Wir spielen uns also den Südhügel des Platzes wieder hinauf, hier sind zwei kurze Verbindungsetappen zu bewältigen. Alter Baumbestand kommt auch hier ebenso wie Wasser – allerdings nur durch trockene Gräben vorhanden – wieder ins Spiel. Die Fairways und Grüns sind ein einem hervorragendem Zustand, die Verbindungsflächen und –wege (sofern nicht befestigt) zeigen Spuren der Trockenheit. Der an sich schöne Ausblick wird auch hier durch noch nicht abgeschlossene Arbeiten rund um den Platz getrübt. Der Platz umschließt ein Areal mit alten Industriegebäuden, denen der Zahn der Zeit sehr zugesetzt hat. Ein krasser Gegensatz – sattes, frisches Grün trifft auf rostiges Wellblech und Ödland. Wahrlich eine bizarre Anmutung.

Wir widmen uns wieder dem schönen Spiel und richten den Blick zur 15. Spielbahn, welche uns Richtung Clubhaus zurück bringt. Noch ein kleiner Anstieg zur 16, ein schönes Par 5. Dieses verlangt wie viele Bahnen gut überlegtes Vorgehen oder Mut. An der letzten Anhöhe angelangt empfängt uns kräftiger Wind, der den 17. Abschlag spannend wie bei einem Linkskurs werden lässt. An Tagen mit guter Auslastung wird man hier Zeit für ein Foto haben – der Blick von hier entlang der 18. Spielbahn auf das Clubhaus ist wunderschön. Der Flight vor uns geht zum 17. Grün und muss denselben Weg wieder zurückgehen – etwas unglücklich gelöst, eine kurze Wartezeit ist vorprogrammiert. Das Par 3 entschlossen gegen den Wind hart am Grün vorbei gespielt – voila, das himmlische Kind bringt den Ball zurück aufs Grün.
Ein beherzter Abschlag lässt die Talsohle der achtzehn hinter sich und landet sicher auf dem Podest im Gegenhang. Der nächste Schlag bergauf aufs Grün ist Ehrensache.

Den üblichen Besuch im Clubrestaurant müssen wir – weil noch nicht vorhanden – ausfallen lassen. Die Gastronomie soll mit der Saison 2018 zur Verfügung stehen. Wir saugen nochmals die Eindrücke in uns auf – mit weiterem Fortschritt der Gestaltungsmaßnahmen entsteht hier ein wunderbarer Golfplatz, der sicher um noch einiges interessanter zu spielen sein wird als jetzt. Hungrig verabschieden wir uns und kehren in der nahe gelegenen Tankstelle (ca. 1 km vom Club am Kreisverkehr) ein. Neu, sauber, klein aber das Bistro ist gut sortiert – eine klare Empfehlung. Mit Englischkenntnissen und Freundlichkeit erhält man zwei ordentliche Sandwiches und einen großen Softdrink um Euro 5,62. Zurück nach Bratislava, der kulinarische Genuss wird in der Altstadt folgen…

Fazit

Wer schnelle Grüns und glatt geschnittene Bunkerkanten erwartet, sollte dem Platz noch etwas Zeit geben. Will man einen neuen, interessanten Platz spielen ist man hier gut beraten. Trainingsmöglichkeiten sind vorhanden, die Spielbahnen, Teeboxen (6 Abschläge!) und Grüns sind neu und fehlerlos. Zahlreiche Bunker, kein Wasser in Form von Teichen, keine unnötig langen Verbindungswege.
Ein Platz der mutige Schläge belohnt und Chancen offenbart, aber auch nicht so versierten SpielerInnen Spaß macht. Sanfte Hügel, keine Bergwertungen – alles zu Fuß problemlos machbar. Schönes Panorama mit Makeln, Gastronomie ab 2018 verfügbar, Sekretariat superfreundlich und deutsch sprechend.

Par 72 mit 5.520 (Gelb, 69,7/128) und 4.759 (66,3/115) Metern von Rot.
Kreditkarten akzeptiert, Greenfee für 18 Loch 59,00 Euro.

Preis und Leistung stimmen, uns hat es sehr gut gefallen
. Wir kommen wieder.

     Die Bildserie zu diesem Beitrag finden Sie auf FLICKR

Kontaktinfo

RED OAK Golf Club Nitra
Korytovská 362/3
951 41 Lužianky
SLOWAKEI
Tel: +421 903 550 845

     info@redoakgolf.sk
     redoakgolf.sk

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